Vor allem in den amerikanischen, japanischen und deutschen Streitkräften wurden Amphetamine in großen Mengen an die Soldaten verteilt, um deren Leistungsfähigkeit zu steigern und die Moral der Truppen zu stärken. Auch der sich anschließende Wiederaufbau wurde durch Amphetamine "beschleunigt". Seit dem läuft die Mittelstandsdroge Speed in vielen Lebensbereichen der unterschiedlichsten Anwendergruppen unauffällig mit. Eine besonders starke Verbreitung in der "Normalbevölkerung" finden heute der Konsum von Amphetaminen in der Arbeits- und Leistungsgesellschaft Japans.

In der experimentierfreudigen Technoszene werden Amphetamine vor allem zum nächtelangen Durchraven eingesetzt und die "Hochleistungspartys" der Gabba-Szene wären ohne Speed sicherlich nicht das was sie nun mal sind. Speed kommt aber auch am Montagmorgen zur Anwendung, wenn man nach durchgefeierten Wochenenden wieder fit für den Arbeits- und Schulalltag seien möchte.

Wirkprinzip:

Amphetamin wirkt wie Kokain in erster Linie indirekt d. h. die Konzentration der körpereigenen Bootenstoffe Noradrenalin und Dopamin wird in bestimmten Teilen des Gehirns erhöht.

Im Gegensatz zu Kokain, das lediglich die Wiederaufnahme der Botenstoffe in die präsynaptische Nervenzelle hemmt, dringen die Amphetaminmoleküle noch zusätzlich in die Nervenzelle ein und bewirken dort die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin aus den Speicherbläschen. Außerdem kommt es zu einer Freisetzung des "Stresshormons" Adrenalin aus dem Nebennierenmark.

Die Adrenalin und Noradrenalin-Freisetzung versetzt das Individum in Alarmbereitschaft und ist Teil des sogenannten fight/flight/fright-Urinstinkts (angreifen/flüchten/fürchten): Alle Körperfunktionen die zum Kämpfen oder Flüchten notwendig sind wie Atmung, Blutdruck und Puls werden aktiviert. Durch die Noradrenalinfreisetzung im Gehirn kommt es zu einer gerichteten Aufmerksamkeit, und einem gesteigerten Selbstbewußtsein (im Sinne von:"es ist okay und ich werde es schaffen!"). Schmerzempfindung, Hunger und Durstgefühlen werden in kritischen Stress-Situationen gegen Null reguliert.

Dopamin ist an der Steuerung von Gefühlen und Denkvorgängen beteiligt. Es steht im Zentrum des Belohnungssystems im Gehirn, d. h. mit seiner Ausschüttung belohnt sich der Organismus mit einem "Gefühl der Zufriedenheit" für belohnenswerten Aktionen wie Sozialverhalten (z. B. Brutpflege), Nahrungsaufnahme und Fortpflanzungsaktivitäten. Parkinson-Patienten weisen einen Dopaminmagel auf, während Schizophreniepatienten eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber natürlich ausgeschütteten Dopamin aufweisen, die mit Dopaminblockern, sog. Neuroleptika behandelt wird.

Neuroleptika (z.B. Haloperidol, Phenothiazine) werden auch zur Behandlung von Amphetaminpsychosen eingesetzt.

Medizinische Anwendung der Amphetamine:

  • Asthmamittel (früher) aufgrund der bronchienerweiternden Wirkung
  • Appetizügler zur Gewichtsreduzierung
  • Bei Kindern die durch aggresives Verhalten bzw. Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivitäts-Störungen ("Zappelkinder") "auffällig werden" können Amphetamine einen Gegenteiligen-Effekt erzielen und werden dann therapeutisch zur Aktivitätsdämpfung eingesetzt. Dosierung: 3mal tgl. 5-10 mg Amphetamin
  • Behandlung der Narkolepsie (zwanghafte Schlafanfälle) Dosierung: 5-60 mg Amphetamin tgl., verteilt auf mehrere Einzeldosen

Gegenanzeigen:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion, Tumor des Nebennierenmarks, erhöhter Augeninnendruck, chronischer Appetitlosigkeit, psychische Erkrankungen, labile Persönlichkeitsstruktur und Schwangerschaft/Stillzeit

Fortsetzung zu Speed: Seite 2